Nora, Theater im Bauturm,
Köln
Ibsens Nora könnte die glücklichste Frau
der Welt sein:
mit drei gesunden Kindern, ihr Mann Torvald zum Bankdirektor
befördert, die Familie in Zukunft finanziell abgesichert. In
dieser Situation holt Nora ihre Vergangenheit ein: Vor Jahren hatte sie
ihrem Mann mit einem gefälschten Schuldschein den
Genesungsurlaub
ermöglicht. Nun wird sie mit dieser Tat und der Drohung, ihm
die
Wahrheit zu sagen, erpresst. In ihrem verzweifelten Bemühen,
eine
Lösung zu finden, steht Nora vor einer Situation, die ihren
ganzen
Lebensentwurf in Frage stellt. Sie hofft, dass der auf Ansehen und Ehre
bedachte Torvald ihre Handlung verstehen und verteidigen wird. Aber sie
ahnt, dass diese Hoffnung sich nicht erfüllen wird...
Axel Siefer, der sein 20jähriges
Bühnenjubiläum mit
Süskinds "Der Kontrabaß" im Theater im Bauturm
feierte,
inszeniert wieder hier! Und Annette Frier ist seine "Nora".
Hat eine Frau das Recht, um ihrer Selbstfindung willen ihre Familie zu
verlassen? Im heutigen Alltag von geteiltem Sorgerecht,
Patchwork-Familien und selbstverständlicher
Berufstätigkeit
von Frauen scheint Ibsens Frage des ausgehenden 19. Jahrhunderts
längst und in vielfältiger Weise beantwortet. Muss
jedoch
nicht auch das Frauenbild unserer Gesellschaft zu Beginn des neuen
Jahrtausends wieder auf den Prüfstand gestellt werden?
Doch es gilt auch, in Nora eine übergeordnete Fragestellung zu
entdecken: Wie verhält sich ein Mensch, der plötzlich
erkennen muss, dass sein bequemes, liebgewonnenes Leben nicht den
ureigenen Wertmaßstäben entspricht? Was geschieht,
wenn das
bisherige Zentrum des Lebens, die Liebe oder die Arbeit, dieser
Erkenntnis nicht standhält? Wie weit ist der Mensch - Frau
oder
Mann - in unserer Gesellschaft bereit, für seine
Überzeugungen und Ideale, Einbußen bei Karriere und
Absicherung hinzunehmen? Ist in dieser Gesellschaft Platz für
Ideale?
Bilder könnt Ihr hier sehen: klick mich
Pressestimmen
"Axel Siefer schöpft das psychologische Potential Henrik
Ibsens
voll aus. ... Annette Frier zeigt, dass sie eine noch bessere
Schauspielerin geworden ist. Ihre Nora ist nicht nur aufgekratzt und
selbstvergessen, Frier verleiht der Figur auch Humor. Zum
Glück
kriegt sie aber im 2. Akt die Kurve, wenn aus Nora eine
verängstigte Frau und schließlich eine
Persönlichkeit
wird. Überhaupt gehört der Schluss zu den
Bravourstücken
der Inszenierung. ... Auch liegt ein Schlüssel der
Inszenierung in
dem Respekt, den Siefer vor dem Helmer hat, dem Frank Voß
menschliche, fast sympathische Züge gibt. ... Gabriele Quast
trifft den Ton ernster Liebe als Noras Freundin Christine Linde gut.
Gerhardt Haag ist in der Rolle des unsympathischen, aber
mitleiderregenden Erpressers Krogstad von schneidender
Präsenz.
Eine Inszenierung, deren Mut, Klugheit und Hingabe beeindrucken."
(Kölnische Rundschau, 21.09.04)
"Umjubelte Premiere im Theater im Bauturm von Henrik Ibsens "Nora". ...
Axel Siefer hat den Klassiker kräftig entstaubt, ihn - ohne zu
übertreiben - in die Jetztzeit versetzt. ... Im starken
Ensemble
glänzt Annette Frier in ihrer Wandlung vom naiven Weibchen zur
selbstbewussten Frau." (Express, 20.09.04)
Quelle: http://www.theaterszene-koeln.de